Einheitliches Gütesiegel für Ökostrom gefordert

Nicht alles, was sich Ökostrom nennt, ist für die Energiewende ein Gewinn

Die Mehrzahl der über 2.000 Tarife, die derzeit als „Ökostrom-Angebote“ daherkommen, leistet überhaupt keinen oder nur einen sehr geringen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Ein einheitliches Gütesiegel für Ökostrom muss also her. Bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat die Verbraucherzentrale NRW jetzt um Unterstützung für dieses Vorhaben geworben.

Energiewende verkehrt
Bundesweit beziehen mittlerweile rund drei Millionen Haushalte „Ökostrom“. Der Aufpreis, den sie für den grünen Saft aus der Steckdose zahlen, wird jedoch nur selten in echte Energiewende umgemünzt. Denn viele Anbieter leisten – entgegen der Erwartung ihrer Kunden – keinen Beitrag zum Bau neuer und umweltfreundlicher Stromerzeugungsanlagen, sondern etikettieren zum Beispiel Strom, den sie seit Jahren schon aus alten Wasserkraftanlagen gewonnen haben, einfach nur um. Stromanbietern spielt dabei in die Hände, dass der Begriff ‚Ökostrom‘ weder genau definiert noch gesetzlich geschützt ist – eine Ursache fürs Greenwashing.

Zwar gibt es durchaus Ökostrom-Gütesiegel, die wissenschaftlich fundierte Kriterien bei der Labelvergabe zugrunde legen, unabhängige Kontrollen vorsehen und die Anstrengungen beim Zubau neuer Anlagen zur Energiegewinnung aus ökologisch vertretbaren Quellen transparent machen. Doch sind Verbrauchern diese bislang komplett unbekannt geblieben: Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW hat TNS-Emnid ermittelt, dass 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger keine Ökostrom-Gütesiegel benennen konnten. Der Rest glaubte irrtümlicherweise, dass Ökostrom am Blauen Engel oder den Energieeffizienzklassen für Haushaltsgeräte zu erkennen ist.

Überführung des Siegels „ok-power“
Damit die Energiewende nicht zur Rolle rückwärts wird, braucht es ein einheitliches und staatlich geprüftes Gütesiegel. Denn ein verlässliches Ökostrom-Label mit hohen Anforderungen an den Ausbau der erneuerbaren Energien motiviert noch mehr Wechselwillige, auf Ökostrom umzusteigen. Und wo es nur ein Siegel gibt, steigert sich dessen Bekanntheitskurve fast von selbst und vereinfacht das Leben der Menschen. Hier ist das Bundesumweltministerium gefragt. In einem Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat die Verbraucherzentrale NRW daher jetzt eine neue Initiative für ein staatliches Ökostrom-Gütesiegel angeregt. Gemeinsam mit dem Öko-Institut und dem World Wide Fund For Nature (WWF) hatte sie im Jahr 2000 das Ökostrom-Gütesiegel „Link öffnet in neuem Fensterok-power“ entwickelt, das nun in das einheitliche staatliche Siegel überführt werden soll.

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